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Gaza: Offene Wunden - wer hilft?
Augenzeugenbericht aus einem zerstörten Land

Veranstaltung mit einem Vertreter von medico international am 13. Mai 2009

Aus den Medien sind Berichte über den Gaza-Streifen weitgehend verschwunden. Umso anschaulicher brachte Martin Glasenapp von medico international die Folgen des israelischen Angriffs auf die dortige Bevölkerung in die Erinnerung zurück. Der Pressesprecher der humanitären Hilfsorganisation berichtete am 13. Mai im AllerWeltHaus über seinen aktuellen Besuch im Nahen Osten. Das HAGENER FRIEDENSZEICHEN hatte ihn zu der Informationsveranstaltung eingeladen.

Während des Krieges schickte medico international vor allem medizinisches Material nach Gaza. Jetzt geht es um die Hilfe für die Traumatisierten und um den Aufbau der ambulanten Versorgung, zum Beispiel durch Koffer mit medizinischer Grundversorgung für die Teams. Martin Glasenapp war jetzt in Gaza, um die Lage zu überprüfen.

Was fand er vor? Eine sehr widersprüchliche Situation. Einerseits die Rückkehr zur Normalität des Lebens in der Stadt trotz zerstörter Moscheen, Schulen, Verwaltungsgebäude und auch Wohnhäusern - andererseits eine völlig katastrophale Lage in den ländlichen Gebieten, wo es Zonen völliger Zerstörung gibt. Die Menschen kampieren irgendwie zwischen den Trümmern. Der Schulunterricht findet in Zelten oder unter freiem Himmel statt. Ein Wiederaufbau ist nicht möglich, weil Israel die Baumaterialien nicht ins Land lässt, ebenso wenig wie medizinische technische Geräte, die gespendet wurden.

Martin Glasenapp konnte berichten, dass die medizinische Versorgung ansonsten gut organisiert ist, allerdings auf die dringendsten Materialien begrenzt. Wichtig sei jetzt die Versorgung der vielen traumatisierten Opfer. Fast jede Familie hat Opfer zu beklagen. Bei seinen Gesprächspartnern fand Martin Glasenapp ein tiefes Erschrecken darüber, dass die israelische Armee bei den Kämpfen ethische Grenzen überschritten habe, die in den bisherigen bewaffneten Auseinandersetzungen immer noch Bestand gehabt hätten. Der medico-Vertreter ließ sich in der Diskussion nicht auf eine Auseinandersetzung darüber ein, ob Kritik an israelischer Politik mit Antisemitismus gleichzusetzen oder die israelische Politik gegenüber den Palästinensern rassistisch und faschistisch zu bewerten sei. "Solche Debatten lenken von den eigentlichen Konflikten ab", erklärte Glasenapp. "Dort geht es um sichere Grenzen, um Land und um das Rückkehrrecht für die Flüchtlinge. Und das sind Fragen, die lösbar sind."

Also Hoffnung für eine friedliche Zukunft in der Region? Martin Glasenapp bejahte diese Frage, wenn auch nicht ohne Sorgen. Als großes Problem sieht er, dass in Israel und in den Palästinensergebieten, insbesondere in Gaza, eine Generation heranwächst, die durch die Abschottung der Grenzen keine Gelegenheit hat, sich und die andere Seite kennen zu lernen. Man wohnt wenige Kilometer auseinander, kennt sich aber nur durch Fernsehberichte oder das Internet. In medico international arbeiten Ärztegruppen aus Palästina und Israel zusammen als ein hoffnungsvolles Beispiel, dass es - wenn auch mit Schwierigkeiten - anders gehen kann. Für die Menschen in Gaza ist ihre völlige Absperrung von der Außenwelt ihr größtes Problem. Gerade darum - so Glasenapp - sei es unendlich wichtig, dass Politiker nach Gaza reisen, dort Gespräche führen und sich selbst ein Bild machen - auch von der Hamas. Israel macht die Einreise schwierig, Martin Glasenapp musste diesmal fünf Tage in Israel auf die Genehmigung warten. Aber solche Begegnungen seien wichtig, um den Menschen das Gefühl zu geben, nicht völlig von der Welt abgeschnitten und vergessen zu sein. Gerade Verzweiflung könne ein Nährboden für Terrorismus sein.

Medico international arbeitet mit Ärzteorganisationen in Israel und Palästina zusammen. Israelische Ärzte fahren nach Gaza, um dort Kranke zu versorgen. Aus diesem Grund hatte sich das HAGENER FRIEDENSZEICHEN entschieden, die gesammelten Spenden von 3.300 Euro an diese Organisation zu überweisen. Am 13. Mai kamen noch einmal 100 Euro dazu. Insgesamt konnte medico international in Deutschland 280.000 Euro Spenden sammeln.



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