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Ausstellung "Die Wehrmacht - das Schwert der Nazis"

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I. Einleitung:

A) Zur Entstehung:

Heinz Richter (Lüdenscheid) - Künstler und Fotograf - hat diese Fotoausstellung für das Hagener Friedenszeichen geschaffen. Sie zeigt, wie eng die deutsche Wehrmacht mit den Nationalsozialisten bei der Durchsetzung der politischen, rassistischen, ideologischen und militärischen Vorherrschaft zusammenarbeitete. Im Gegensatz zur Hamburger Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" werden in der Ausstellung von Heinz Richter die gemeinsamen Zielsetzungen schon von 1933 an und bis über das Kriegsende 1945 hinaus mit Einzelaufnahmen dokumentiert. Die vorliegenden Texte schrieb Matthias Wagner (Historiker, Friedensgruppe Lüdenscheid). Viele Anregungen hierfür verdankt er Günter Sauerbier (Friedenszeichen Hagen), der die Ausstellung als Historiker begleitet und an vielen Orten erklärt hat. Da die Ausstellung von ca. 30 Fotos in der Größe von Wandkarten nicht überall Platz finden kann, hat die GEW Lüdenscheid, Meinerzhagen, Kierspe, Halver und Schalksmühle diese Arbeitsmappe für den Unterricht erstellt.

B) Zum Inhalt:

ThumbCarl Dirks und K. H. Janßen dokumentieren die Rüstungs- und Angriffspläne der Deutschen Reichswehr während der Weimarer Republik. Trotz einiger Spannungen und Konflikte mit ihr übernehmen die Nationalsozialisten die Pläne und sieht die Wehrmacht in der Regierung Hitlers den Verbündeten für ihr expansives Machtstreben, das noch immer von der Niederlage im Ersten Weltkrieg und von der "Schmach von Versailles" geprägt wird.

Mit dem Überraschungsangriff am 1. September 1939 auf Polen sollte die "Schmach" der Niederlage und Kapitulation weggewischt und die strittige Grenzfrage zwischen beiden Staaten dadurch gelöst werden, dass Polen erobert wurde. Deutschland hatte nie die Grenzziehung zwischen sich und Polen nach dem Versailler Vertrag anerkannt. Durch ihn war Polen nach mehr als hundert Jahren Auflösung und Unterwerfung unter Rußland, Preußen und Österreich wieder ein selbstständiger Staat geworden. Während der Nürnberger Prozesse sagte SD-Mitglied Naujock:

"Ungefähr am 10. August 1939 befahl mir Heydrich, der Chef des SD, einen Anschlag auf die Radiostation Gleiwitz in der Nähe der polnischen Grenze vorzubereiten, und es so erscheinen zu lassen, als wären Polen die Angreifer gewesen. Heydrich sagte: , Ein tatsächlicher Beweis für polnische Übergriffe ist für die Auslandspresse und für die deutsche Propaganda nötig.' Mir wurde befohlen, mit fünf oder sechs anderen SD-Männern nach Gleiwitz zu fahren, bis ich das Schlüsselwort von Heydrich erhielt, daß der Anschlag zu unternehmen sei. Mein Befehl lautete, mich der Radiostation zu bemächtigen und sie so lange zu halten, als nötig sei, um einem polnisch sprechenden Deutschen die Möglichkeit zu geben, eine polnische Ansprache über das Radio zu halten. Dieser polnisch sprechende Deutsche wurde mir zur Verfügung gestellt. Heydrich sagte, daß es in der Rede heißen soll, daß die Zeit für eine Auseinandersetzung zwischen Polen und Deutschen gekommen sei, und daß die Polen sich zusammentun und jeden Deutschen, der ihnen Widerstand leistet, niederschlagen sollten. Heydrich sagte mir damals auch, daß er Deutschlands Angriff auf Polen in wenigen Tagen erwarte. ... Der Vorfall in Gleiwitz, an dem ich teilnahm, wurde am Vorabend des deutschen Angriffs auf Polen ausgeführt. Am Mittag des 31. August bekam ich von Heydrich per Telefon das Schlüsselwort, daß der Anschlag um 8 Uhr abends desselben Tages zu erfolgen habe. Heydrich sagte:

'Um diesen Anschlag auszuführen, melden Sie sich bei Müller wegen der Konserven.' (So wurden die mit Spritzen getöteten deutschen Gefangenen in polnischen Militäruniformen genannt, denen zusätzlich Schussverletzungen zugefügt wurden, damit sie echt aussahen.) Ich tat dies und wies Müller an, den Mann (,Konserve") in der Nähe der Radiostation an mich abzuliefern. Ich erhielt diesen Mann und ließ ihn am Eingang der Station hinlegen. Er war am Leben, aber nicht bei Bewußtsein. Ich versuchte, seine Augen zu öffnen. Von seinen Augen konnte ich nicht feststellen, daß er am Leben war, nur von seinem Atmen. Ich sah keine Schußwunde, nur eine Menge Blut über sein Gesicht verschmiert. Wir nahmen die Radiostation wie befohlen, hielten eine drei oder vier Minuten lange Rede über einen Notsender, schossen einige Pistolenschüsse ab und verließen den Platz. Das war der polnische Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz." ( zitiert aus J.J. Heydecker, S. 254 f) Mit der inszenierten Lüge und dem Verbrechen begannen die Nationalsozialisten und die deutsche Wehrmacht den II. Weltkrieg. - Nicht jeder deutsche Soldat wirkte im Osten, auf dem Balkan oder in Italien bei Verbrechen mit, aber sie gehörten zum deutschen Kriegsalltag. Faires Verhalten im Krieg - wie zum Beispiel der Schutz der französischen Hafenstadt La Rochelle gegen deren Zerstörung - fehlt in der Dokumentation, die auf die Verbindungen der verbrecherischen nationalsozialistischen Ideologie mit der Wehrmacht hinweist.

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